News: SVP Volksbefragung als Bumerang?

Wenn man die Anzahl Klicks, die gestern auf agluegt eingegangen ist, mit den gestrigen Ereignissen in der Schweizer Medienwelt verbindet, so kommt man zum Schluss, dass man hier wohl eine Analyse zur aktuellen PR-Offensive der SVP erwartete. In den Medien wurde eigentlich alles gesagt was von Belang ist. Weiterhin wird es wohl jedem, der in seinem Leben einmal mit Statistik zu tun hatte, klar sein, dass es sich nicht um eine ernstzunehmende Erhebung handelt, als mehr um eine geschickte Selbstinszenierung unserer Volkspartei. Die Verzerrung, hervorgerufen durch den fehlerhaften Eindruck die Grundgesamtheit zu befragen, sowie durch die geschickt gestellten Suggestivfragen und die „stimmige“ Umrahmung des Bogens, ist wohl jedem seriösen Statistiker ein Graus. Vom Standpunkt der SVP betrachtet, ist die Volksbefragung aber eine geschickte PR-Massnahme. Soweit also nichts Neues, denn die Herren Politologen teilen unsere Analyse. Ins Staunen versetzt allerdings die Auswertungsmethode der Umfrage. Frau Bär, welche verdutzt auf unsere Frage nach dem zuständigen Institut reagierte, meinte, dass die Auswertung der Bögen im SVP Büro in Bern vorgenommen werde. Als wir nachhakten, ob denn die Auswertung der Fragebögen nicht mit immenser Arbeit verbunden sei, meinte die Generalsekretärin und Sozialwissenschaftlerin, dass dies dank Excel kein Problem sei.

Es liegt uns fern, behaupten zu wollen, dass die Umfrage im SVP Büro manipuliert wird. Die Frage die sich aber stellt, dreht sich um die Kosten der Kampagne. Politologe Mark Balsinger rechnet  im Tagi vor:

Die Kosten für den Druck und das Porto der SVP-Zeitung dürften bei mindestens 800’000 Franken liegen – wenn man von rund 3,6 Millionen Haushalten in der Schweiz ausgeht.» Keine andere Partei könne sich solche Aktionen leisten.

Wenn man bedenkt, welche mediale Aufmerksamkeit bereits generiert wurde, scheint es, als habe die SVP einmal mehr bewiesen, wie man eine erfolgreiche Kampagne gestaltet. Bei einer hohen Rücklaufquote könnte sich die Idee aber schnell als Schuss nach hinten herausstellen.

Gehen wir von einer 100% Rücklaufquote und einer durchschnittlichen Bearbeitungszeit von 30 Sekunden aus, sprechen wir von einem Arbeitsaufwand von 30000 Stunden. Ausgehend von einem Stundenlohn von 25.- Fr. würde dies bedeuten, dass die Kosten für die Auswertung weitere 7,5 Mio. Fr. verschlingen würde. Die unzähligen Abstürze von Microsoft Excel, welches hoffnungslos mit dieser Aufgabe überfordert wäre, mal ausgenommen.

Es wäre rein hypothetisch vorstellbar, dass das Parteivermögen also nicht zur Deckung der Auswertung ausreichen könnte. Natürlich wird die Rücklaufquote aber niemals 100% erreichen und Übervater Blocher wird im Notfall das Portemonnaie zücken. Fakt ist aber, dass mit jedem ausgefüllten Fragebogen die Kosten der Kampagne steigen. Ob das Kosten/Nutzen Verhältnis dann noch stimmt, wird sich weisen. Das Telefonat mit Frau Bär hat gezeigt, dass man hier ganz offensichtlich eine hohe Fehlergrenze provoziert und mit einer geringen Rücklaufquote rechnet, denn es ist nicht vorstellbar, dass das Büro in Bern bereit für die Erfassung von Millionen Fragebögen ist.

Bereits regt sich Widerstand im Netz. Der Blick beispielweise findet die Befragung einseitig und eine Facebook-Gruppe denkt über Gegenmassnahmen nach. Auch die Caritas empfindet das Vorgehen der SVP als „propagandistisch“. Einzig die Parteien wollen der Aktion nicht noch weiteren Wind in die Segel geben. So meint Wermuth, dass „heute zu jedem Mist eine Facebook-Gruppe gegründet wird.“ Sind die Genossen etwa noch nicht im Web 2.0 angekommen?

News: Gesucht Mitarbeiter Corris AG

Für eine Story über die PR-Arbeit von Hilfsagenturen suchen wir Leute, die mit Fundraising-Agenturen wie Corris AG oder der Alnovis AG in Kontakt waren und etwas über deren Methoden zu berichten wissen.

Infos bitte an: fernsehkritik@gmx.ch

(Eure Anonymität wird gewahrt)

Interview: Liebe Schweizer: Willkommen im Web 2.0

In der Schweiz gab es sie bis jetzt nur vereinzelt, die Youtube Stars. Nebst der legendären Werbekampagne der FDP Luzern mit Marco Fischer erreichten bis jetzt nur wenige Videos derartigen Kultstatus. Nun hat die Schweiz einen neuen Youtube Star: Milot.

Das Video des 21-jährigen Rappers erreichte innerhalb kurzer Zeit beinahe 100000 Views. Im Video ist Milots erster Rapsong zu hören. Untermalt wird dieser von verschiedenen Fotos aus Milots Umfeld. Das Video wird in verschiedensten Foren diskutiert, es gibt eine Facebook-Gruppe und findet sich allein auf Youtube in dreifacher Ausführung. Auch ausserhalb von Youtube schlägt das Video ein. So wurde Milot in jüngster Zeit polizeilich belangt, weil ein 11-jähriger seinen Klassenkameraden mit einem Bleistift angriff und Milots Video als Grund dazu angab. agluegt machte den jungen Zürcher ausfindig und lud zum Interview.

Milot (rechts) mit Produzent Shqipser

Dein Video „Milot – Zurück um Kreis 9″ hat innerhalb von kurzer Zeit 100000 Views erreicht. Kannst du dir erklären, wie es dazu kam?

Es wird geredet, dass ein Albaner mal mit einer „krass geilen Thailänderin“ ein Date hatte, und beim Date hat er sehr oft meinen Namen erwähnt. Ein paar Tage später kam sie zu mir nach Hause und ich hatte mit ihr 1 Monat lang ein enges Sexverhältnis.
Ich denke, dass es darum in Youtube zu so vielen Klicks gekommen ist, weil alle viel über mich reden.

Wie empfindest du den Hype, der um das Video und schliesslich um deine Person betrieben wird?

Das gefällt mir wirklich sehr, denn schliesslich kann ich mit gutem Recht behaupten, dass es in der Schweiz nur wenige Rapper dieser Art gibt, die das selbe wie ich erlebt haben. Daher finde ich es doch ganz cool und denke, dass ich mit Recht stolz drauf sein kann.

Unter deinem Video „Zurück im Kreis 9″ findet man viele Anfeindungen und negative Kommentare. Wie erlebst du das? Geht dir das nahe?

Nein überhaupt nicht! Kritik gehört zum Rap. Ich weiss, dass alle, die in Youtube kommentieren Kinder sind und nichts bessers zu tun haben als andere Leute zu kritisieren.

In einigen Internetforen und Chatrooms scheint man sich über das Video „Zurück im Kreis 9″ lustig zu machen. Was sagen deine Freunde oder der Arbeitgeber dazu? Hat dieses Video schon einmal negative Konsequenzen gehabt?

Mein Arbeitgeber kennt sich mit Rap und Hip-Hop viel besser aus als ich. In meiner Familie wissen die Eltern nicht genau was ich sage in meinen Songs. Ich schrieb meine Texte alleine und hatte gute Ideen. In meinem Privatleben gibt es keine negativen Konsequenzen, ausser das ein Richter aus Aargau mich angezeigt hat, wegen dem Video, weil es Schwerter und so gibt. Die Polizisten aus Stadt-Zürich kennen mich gut und hassen meine Lieder. Sie hoffen, dass ich mal richtig im Knast lande.

Wenn man deine neueren Lieder anhört, stellt man fest, dass du dich stark weiterentwickelt hast. Trotzdem ist das Video „Zurück im Kreis 9″ noch in mehrfacher Ausführung online. Knallharte Marketingstrategie oder ein Schatten aus der Vergangenheit, der über dir hängt?

Bei dem Lied „Zurück im Kreis 9″ ist der Beat einfach brutal. „Verstehste“?  Richtig „Killa Ghetto“ eben. Der Text ist ebenfalls kriminell und überkrass  obendrein. Einfach nur am Flow hat es damals noch ein wenig gehapert. Aber wie heisst es so schön, es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Wie bei den ersten Gehversuchen musste ich ein bisschen probieren und üben, bis  ich besser wurde. Irgendwann habe ich gemerkt, wieviel Freude ich eigentlich daran habe und das hat mir richtig Power gegeben. An den Punkt zu gelangen an dem ich heute stehe und noch besser zu werden, benötigte viel Kraft.

Milot, deine Texte sind stark gewaltverherrlichend und der Zürcher Kreis 9 wird als rechtsfreie Zone dargestellt. Ist das nicht ein wenig realitätsfern, oder ist das tatsächlich der Alltag, wie ihn Milot in Zürich erlebt?

Ich habe einfach vieles in meiner Vergangenheit erlebt und will es heute allen zeigen. Schliesslich begleitet dich deine Vergangenheit durch das ganze Leben und jeder hat seine persönliche Art und Weise damit umzugehen. Dies ist meine. Während der Zeit als dieser Track entstand war ich noch in einem Heim. Dort hatte ich einfach diesen Text geschrieben und aufgenommen. Eigentlich geschah dies ohne grosse Hintergedanken. Eben ein bisschen ausprobieren und so wie das eben so ist als Jugendlicher. Heute gibt es eine neue Generation in Altstetten, Die ist allerdings momentan noch namenlos. Ich denke wenn mein Album erscheint wird in meinem Quartier das Interesse an meiner Person noch mehr ansteigen. Mein Ziel ist es, mein Quartier, mich selber und alle meine Leute bekannt zu machen, da wir wie eine eingeschworene Gemeinschaft, ja fast schon eine Art Familie geworden sind.

Was hält die Zukunft für Milot bereit? Wie wirst du den Social Media Hype einsetzen?

Also an erster Stelle würde ich allen Jugendlichen dringend davon abraten zu Rauchen oder Drogen jeglicher Art zu konsumieren. Des Weiteren rate ich  jedem, keine Raubüberfälle zu verüben oder ähnliche Delikte zu begehen, da man es so auf keinen grünen Zweig schafft. Man gerät so höchstens in einen  Teufelskreis. Man bekommt Probleme mit dem Gesetz und wer es nicht  schafft, sich zu befreien, versinkt in einem Sumpf und hat eine lange Knastkarriere vor sich. Was die Schlägereien anbelangt finde ich allerdings,  jeder sollte sich wehren können, da die Gewaltbereitschaft unter Jugendlichen immer mehr zunimmt. Die Hemmschwelle sinkt zunehmend. Wer sich nicht wehrt wird als Opfer abgestempelt und nie in Ruhe gelassen. Also wird man fast gezwungen auch mal die Faust zu heben. Klar gefällt mir  das nicht, aber was will man machen? Das Gesetz scheint ja wohl die wenigsten davon abzuhalten dagegen zu Verstossen.

Milot im Studio seines 15-jährigen Produzenten Shqipser

Milot will in Zukunft an seinem Debutalbum arbeiten und plant einen Spielfilm, der sein bewegtes Leben auf die Leinwand bringen soll.

Milot auf Myspace

Milot: 60 Terror Bars

Milot: Snippet K9

Milot Live

News: Mark van Superstar

Heute ist der schönste Tag meines Lebens: Ich werde demnächst auf Prosieben ein Peoplemagazin moderieren. Ich, ein Fernsehstar! Ich, eine helvetische Frauke Ludowig!
Quelle: Klatschheftli.ch

Vollmundig kündigt Promi-Tratschtante van Huisseling sein Sendeformat auf ProSieben Schweiz an. Der Sender bemüht nun neben FacesTV und Funky Kitchen Club ein weiteres Lifestyle Magazin um dessen Schweizer Programmfenster zu erweitern.

MvH – so heisst die neue Sendung – flimmerte am 24. Juni 2010 das erste Mal über die Mattscheibe. Da uns derlei Nichtigkeiten eigentlich nicht  interessieren, verweisen wir gerne auf die gelungene TV-Kritik von Denise Jeitziner im Tagi.

Erlaubt sei uns an dieser Stelle ein persönliches Statement. Die Inhalte der  Programmfenster von ProSieben- und Sat 1 Schweiz wirken oftmals unglaublich stümperhaft umgesetzt. Das „Schweizwetter“ auf Pro Sieben könnte durchaus als Folterpraktik für Jörg Kachelmann verwendet werden. Wir sind sicher, er würde unter dieser Last wie ein Zweiglein brechen.

Also, liebe Pro Sieben und Sat 1 Programmverantwortliche, wenn ihr uns schon einen nicht unerheblichen Teil an Werbegeldern wegnehmt, gestaltet euer Programm doch bitte so, dass es nicht nur in Mannheim angesehen werden kann.

Mark van Huisselings neue Sendung „MvH – The place to be“ läuft jeweils Donnerstags um 20.00 auf Pro Sieben.

Interview: Blutige Paninibildli

"Panini-Aktion" der Juso

Pünktlich zum Spiel unserer Nationalmannschaft gegen Honduras schockiert die Juso mit gefälschten Fussballbildchen die Öffentlichkeit. Auf den vermeintlichen „Paninis“ sind Bilder von blutüberströmten Gewerkschaftsaktivisten zu sehen. Die neue Aktion ist die konsequente Weiterführung eines neuen, frechen Kommunikationsstils, der vor allem auf eines setzt: Provokation. Unlängst machten die Jungsozialisten mit der Darstellung von Parteipräsidenten als männliche Prostituierte Furore. Die politischen Reaktionen waren heftig. In der Kommunikationsbranche gehen die Meinungen auseinander. So sprechen einige von kurzlebigem Erfolg und Stillosigkeit, während andere von krampflösender Polemik reden.

Braucht es in der heutigen Zeit tatsächlich solch extreme Massnahmen, um politische Aufmerksamkeit zu generieren? Ja, meint Cédric Wermuth, mit dem wir uns über die heute anlaufende „Panini-Aktion“ unterhalten haben.

Cédric, es scheint, dass eure Plakate stets blitzschnell umgesetzt sind. Das „Prostitutionsplakat“ war 1 Stunde nach dem Ja zum Staatsvertrag online. Wer reagiert da so schnell?

Die schnelle Reaktion geht nicht, wenn man nicht vorher antizipiert. Wir versuchen vorauszudenken, damit wir dann im Moment bereit sind. Trotzdem kommt es regelmässig vor, dass wir blitzschnell reagieren müssen. Das geht nur mit einem topmotivierten Team und professioneller Arbeit.

SVP-Werber Abächerli hat politische Diffamierung in Plakatform mit grossem Erfolg wiederbelebt. Versucht man bei der Juso auf den Zug aufzuspringen?

Ich wüsste nicht, wo wir diffamieren. Die SVP diffamiert jeweils ganze Volksgruppen, ohne den Mut zu haben, wirklich zu zeigen, wen sie meint. Wir greifen nur Leute an, die sich auch wehren können. Diese dafür dann sehr direkt. Ausserdem stützen wir jede Aktion auf Argumente ab.

Die Medien beschäftigen sich nur kurze Zeit mit euren Aktionen, der grosse Coup, wie beim Minarettplakat blieb bis jetzt aus. Ist es so, dass ihr bloss mässige Erfolge verbuchen konntet, weil der provokative Kommunikationsstil hauptsächlich bei Oppositionsparteien gut funktioniert?

Mässiger Erfolg? Wir sind innerhalb der letzten beiden Jahre zur mit Abstand stärksten und präsentesten Jungpartei geworden. Wir sind die einzige Jungpartei, die mit den grossen mitmischen und eigene Initiativen lancieren kann. Diese Dynamik zeigt auch unsere Mitgliederentwicklung. Unser Mediensystem ist immer stärker auf kurze Frist fixiert. Es ist relativ selten, dass Organisationen unserer grösse es schaffen, ein Thema mehrere Tage in verschiedenen Medien zu halten und innerhalb von zwei Jahren national bekannt zu werden. Ich würde heute ohne weiteres sagen, unsere langfristige Medienstrategie ist zu nahezu 100% aufgegangen.

Gefährdet man durch solche Aktionen nicht den Ruf als seriöse Partei?

Nein. Entscheidend ist, ob man ein politisches Anliegen hat.

Wie steht die Mutterpartei zu euren Aktionen?

Grundsätzlich entscheiden wir selber, was wir machen. Über Stil kann man natürlich immer diskutieren. Aber inhaltlich trägt die Mutterpartei alles mit.

In eurer Aktion „Panini-Bildli“ sind blutige Nahaufnahmen von toten honduranischen Gewerkschaftsaktivisten zu sehen. Wir gehen mit dir überein, dass die Öffentlichkeit auf dieses Problem hingewiesen werden muss. Ist es aber nicht skrupellos solch blutige Bilder als Fussballbildchen zu „tarnen“, da diese durchaus auch von Kindern gesehen werden könnten?

Die Argumentation ist etwas komisch: Sehen denn die kleinen Kinder die Plakate der anderen Parteien nicht? Oder sehen sie etwa die Darstellung von Sex und Brutalität in der Werbung nicht auch? Unsere Aktion ist schockierend, weil sie der Realität entspricht. Davor können wir aber niemanden schützen.

Aber wo sind eure Grenzen?

Die Grenze ist dort, wo Provokation der Provokation Willen betrieben wird, oder, wo es nur noch um persönliche Profilierung geht. Unser zentrales Anliegen ist aber unsere politische Botschaft. Die Kommunikation ist nur das Mittel, um diese zu verbreiten.

Der neue Kommunikationsstil teilt deine eigene Partei offensichtlich in zwei Lager. In Foren und Blogs wird heftig über die neuen Plakate debattiert. Offensichtlich sind einige Jusos nicht mit den provokativen Plakaten einverstanden. Wie siehst du das?

Natürlich ist das so! Es wäre dramatisch für eine Partei, wenn wir nicht eine lebhafte Diskussion über Inhalte und die Art und Weise, wie wir Politik machen führen könnten. Wir streiten uns bisweilen ziemlich hart. Aber das wollen wir nicht verstecken. Jeder und jede, die unsere Anliegen mitträgt, soll mitreden können. Diese offene Diskussionskultur ist einzigartig unter den Parteien. Ich sehe das nicht als Problem, im Gegenteil, ich bin etwas stolz, dass uns das gelingt.

Es scheint, als friste die 1:12 Initiative ein mediales Schattendasein. Wart ihr da zuwenig provokativ?

Es ist immer sehr schwierig, eine Initiative während der Unterschriftensammlung in den Medien zu halten. Wir hatten gute Präsenz beim Start und unsere Sektionen machen regelmässig lokale Aktionen. Aber die Hauptarbeit geschieht abseits der Medienöffentlichkeit. Unterschriftensammeln ist ein hartes Brot ohne viel Aufmerksamkeit.


Cédric Wermuth ist Präsident der Jungsozialisten und Vizepäsident der SP Schweiz.

News: Rudolf Matter definitiv neuer Regionaldirektor

Der 57-jährige Rudolf Matter wird ab 2011 neuer Regionaldirektor und übernimmt die Leitung von Radio und TV in der Deutschschweiz.

News: Morgen wird gewählt

Pünktlich zum Sommeranfang soll am 21.6.2010 der „Superdirektor“ gewählt werden. In den Sonntagsmedien wird Rudolf Matter als einziger Wahlvorschlag des Regionalrats herumgereicht. Besonders hervorgehoben wird in den Medien derweil Matters wirtschaftliche Kompetenz. Momentan ist er Chefredaktor beim Radio DRS und geriet in Vergangenheit aufgrund seines Führungsstils und seiner Wirtschaftsfreundlichkeit in Kritik.

Aber sollte Matter wirklich als einziger Kandidat erwähnt werden? Wir haben aus der Wahl des SRG-Direktors gelernt, dass sich die SRG vor Wahlen gerne in Schweigen hüllt. Solange der weisse Rauch noch nicht endgültig aufgestiegen ist, ist alles offen.

agluegt hat das Gefühl, dass man Filipo Leutenegger noch nicht ganz von der Liste streichen sollte. Er ist zwar als profunder SRG Kritiker per se unwählbar, könnte jedoch durch seine Ernennung zum Fernseh- und Radiodirektor endlich zeigen, was seine Definition von „Service Public“ ist und wie diese im Zusammenhang mit der Medienlandschaft Schweiz funktioniert. Es wäre durchaus vorstellbar, dass de Wecks und Leuteneggers Idee von einem öffentlich-rechtlichen Fernsehen gar nicht allzu weit auseinander liegen. Ebenfalls interessant wären die Reaktionen der Bürger – vornehmlich rechts vom liberalen Lager wo man sich vehement gegen Gebührenerhöhungen wehrt -, wenn man den Rotstift bei Quizshows und dergleichen ansetzen würde. Eine Wahl Leuteneggers würde auf jedenfall polarisieren.

Die Wahl Matters wäre aber als ein deutliches Friedensangebot zu werten und durchaus vorstellbar. Die NZZ scheint sich jedenfalls sicher zu sein, dass Matter gewählt wird. Wir werden euch über Twitter informieren.

News: Die iBand

Eine Iphone-Band? Tja das gibt es und sie hört sich richtig gut an:

TV Kritik: Wird das Volk noch ernst genommen?

agluegt wollte eigentlich eine TV-Kritik zur gestrigen „Classe politique“ aufschalten. Anstatt dieser machen wir aber lieber einen auf SVP und enthalten uns der Stimme. Nicht ganz, aber da sich die Politik in den letzten Wochen wohl selbst nicht mehr ernst genommen hat, tun wir das ebenfalls nicht. Christophe Darbellays Aussage in der Classe politique vom 16.6.2010 war somit auch bezeichnend für den Verlauf der Sendung. Die CVP sei im GPK-Bericht zur UBS-Affäre als einzige Partei gut weggekommen, deshalb sei eine PUK nicht nötig. Wir nehmen den Hut ob dieser brillianten Argumentationskette, fragen uns dann aber doch, ob es in Bern um seriöse Landespolitik oder Reputationsmanagement geht. Wobei Reputationsmanagement in der gestrigen Sendung gross geschrieben wurde und nach dem Debakel der letzten Wochen wohl gar nicht fehl am Platz war. So meinte Gabi Huber kleinlaut, sie sei nicht von einer Mittepartei, sondern von der FDP. Ferner goutiere sie die Boniexzesse keinesfalls. Interessant war die Reaktion im Studio: Man lachte. Hoffentlich nicht über, sondern mit der armen Frau Huber. Apropos Publikum, Leuthard musste die Zuschauer förmlich zum Applaudieren zwingen. Mit den deutlichen Worten: „Sie chönd jetzt ruhig applaudiere!“ befehligte er das versammelte Fussvolk zum Jubel. Das allein sprach Bände. Auch was folgte war ein fernsehtechnisches Trauerspiel. Ein affiges Gezänk zwischen unfähigen Raufbolden. Darbelley warf Brunner schliesslich vor, einer „Wischi-Waschi“ Partei anzugehören, worauf dieser schelmisch entgegnete: Selber, und immer einmal mehr. Typisch Toni „The Brain“ Brunner halt. Ab und zu wurde die intellektuelle Runde durch beschwichtigende Worte von Frau Widmer-Schlumpf unterbrochen, welche in Advokatendeutsch einige Sätze zum Staatsvertrag äusserte und mit Gabi Huber einig war, dass man nun vorwärts blicken müsse. Will heissen, falls wir abgezockt wurden, sollte uns das nicht länger stören, denn die Zukunft wird gelb, BDP gelb. Tja, wenn das mal keine Ansage ist. Jetzt, da die Bürgerlichen uns das so meisterlich erklärt haben, wird auch einiges klar. Der Nürnberger Prozess war für die Katz. Vergessen und vorbei. Bezahlt auch keine Bussen mehr Freunde, blickt vorwärts! Danke für die Erleuchtung, FDP.

Aller schönen Worte zu Trotz hinterliessen die Statements der Parteisprecher zu Boniexzessen, der Too Big to Fail Problematik und dem ominösen UBS-Staatsvertrag einen schalen Nachgeschmack. Eine „Hick-Hack“ Diskussion – um mit lautmalerischen Wörtern en vogue zu bleiben – , die bezeichnend für die Ereignisse der letzten Wochen war. Viel heisse Luft und keine klaren Inhalte. Es schien zeitweise so, als wüssten die Diskussionsteilnehmer selbst nicht mehr so ganz um was es eigentlich ging.  Anderswo hätte ein solches Versagen der politischen Elite wohl zu Rücktritten geführt. Nicht so in der beschaulichen Schweiz, da stellt man sich ins SF und lässt sich von einem zahnlosen Urs Leuthard die Bälle zuspielen.

Apropos Bälle, es scheint denn auch so, dass die Prioritäten in Bern klar sind. Es kommt Verständnis für die gut bezahlten Parlamentarier auf, wenn diese lieber auf ihren „Boy-Toys“ dem runden Plastik nachschauen, als dem sinkenden Vertrauen der Wähler nachtrauern. Absolut weltmeisterlich!

Sie erlauben uns zum Abschluss aufgrund der gestrigen Sendung noch eine kurze Neudefinition der Schweizer Parteilandschaft vorzunehmen:

  • FDP – eigentlich schon immer unwählbar (es sei denn, man besitzt mindestens 1 Million und heisst Milton Friedman)
  • CVP – heisst neu nicht mehr Christlichdemokratische Volkspartei, sondern Calvinistischkapitalistischer Verbund abzockfreundlicher Pontifexfetischisten.
  • SVP – hat die Hosen runter gelassen und zeigt wo sie steht. Nämlich auf der Seite der Hochfinanz. -> Neuer Slogan: Oh du GOLDIGS Sünneli!
  • SP – könnte sich mit ihren Erpressermethoden dem Libyenstreit annehmen. Gaddafi höchstpersönlich könnte noch was lernen.

WM Kolumne: Mr. Goal sagt: Gratulation Ottmar

0:1 gewann die Schweiz gegen Spanien! Spanien, Europameister 2008, das zurzeit wohl beste Team der Welt wurde geschlagen! Trotz Absenzen spielten die Schweizer eine konzentrierte und abgeklärte Partie. Neben dem ässerst starken Benaglio fielen auch Eren Derdyok und Gelson Fernandes, welche durch die Ausfälle auf schwierigen Positionen spielen mussten. Das frühe Tor und das Halten dieses Vorsprungs bis in die 96. Minuten, was ziemlich atypisch für unsere Nati ist, bestätigt auch die Vorbereitung und Regie des Trainers, auf die Startpartie.
Weitere Fragen die aufkommen; brauchen wir Alex Frei überhaupt noch? hätte er das 0:1 auch so gut vorbereitet? Wird Senderos wieder fit?
Nun kann mit einem Sieg gegen Chile die frühzeitige Qualifikation für die Achtelfinals gesichert werden…wenn wir so weiterspielen kann noch einiges passieren!

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